Tag 202: Miraflor

Homestay! Ich verbringe einen wundervollen Tag bei einer Familie im Naturreservat Miraflor. Um die bergige Region zu erreichen, nehme ich von Estelí aus den 5 Uhr-Bus. Zwei holprige Stunden später erreiche ich die Bushaltestelle, wo mich José, der Vater der Familie, in Empfang nimmt.

Das Haupthaus der fünfköpfigen Familie ist aus Backsteinen und Lehm gebaut. Dazu kommen ein extra Häuschen mit Klo und Dusche und eine Hütte mit der Küche, in der Mutter Maria das Frühstück über dem offenen Feuer zubereitet.

Wenig später bekomme ich eine Riesenportion Rühreier, Gallo Pinto (Mix aus Reis und Bohnen), Avocado und eine frisch gebackene Tortilla aufgetischt, die ich dankend annehme die Busfahrt hat mich hungrig gemacht.

José erklärt mir, dass er fast alles selbst anbaut, was die Familie kocht. Er hat ein kleines Mais- und Bohnenfeld, seine Hühner legen Eier, seine Kühe geben die Milch. Nur besondere Dinge wie Öl oder Klopapier kauft er ab und zu auf dem lokalen Markt.

Nach dem Frühstück nimmt mich José mit auf einen Wandertrip und zeigt mir das Naturreservat. Miraflor besitzt drei verschiedene Klimazonen die tiefe, trockene Zone, durch die ich mit dem Bus gefahren bin, die mittlere, feuchte Zone, in der meine Gastfamilie lebt und die die dritte Zone, in die mich José nun führt.

Die Zone gleicht einem Nebelwald: Wir haben nur wenige Meter Sicht, Baumreihen, Sträucher und Weiden wechseln sich ab. Nach rund zwei Stunden erreichen wir einen Wasserfall, an dem wir weitere Wanderer treffen und mit ihnen zusammen Rast machen. Wir entdecken einen Kolibri, der leider mal wieder zu fix für meine Kamera ist und aus dem Blickfeld schwirrt.

Wir verlassen den Wasserfall und ich folge José über eine Baumstammbrücke. Von hier aus gelangen wir immer tiefer in den Wald. Die Eichen sind hier mit einer Pflanze bewuchert, die an den dicken, morschen Ästen herunterhängt. Fast ein gespenstischer Anblick.

Nach insgesamt fünf Stunden Wandern klart es plötzlich auf wir erreichen eine Lichtung mit einem Aussichtspunkt, von dem aus wir in das Tal mit allen drei Klimazonen schauen.

Nach einer verdienten Siesta in der Hängematte in Josés Vorgarten bin ich wieder fit und verbringe den Nachmittag damit, mit der siebenjährigen Tochter zu spielen. Ein ganz schönes Energiebündel. Sie rennt mit ihren Flipflops die Hügel rauf und runter, ich komme trotz knöchelhoher Wanderschuhe nicht hinterher.

Wir spielen Fußball, Fangen und Verstecken im fünfminütigem Wechsel und kommen erst zur Ruhe, als der Nachbarsjunge auf den Mangobaum im Vorgarten klettert und uns zwei frische Früchte herunterangelt. Wir verspeisen sie auf der Veranda, als uns Mama Maria plötzlich in die Küche ruft. Wir sollen beim Tortillabacken helfen. Nach einigen Versuchen und mehreren Teigfetzen an der Hose zeige ich stolz das Ergebnis: Meine erste, halbwegs runde und flache Mais-Tortilla.

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