Tag 204: León

Bevor ich nach Managua zurückkehre, verbringe ich noch das Wochenende in León der zweitgrößten und für mich schönsten Stadt Nicaraguas. León ist eine alte Kolonial- und Universitätsstadt und zieht mich mit ihren Farben sofort in ihren Bann.

Anders als Managua kann ich die Stadt einfach zu Fuß erkunden: Es gibt viele Plätze und Fußgängerzonen mit bunten Fähnchen zwischen den Häusern. Malereien an den Wänden erzählen von den Sandinistas und der Geschichte Nicaraguas.

Um die Aussicht über León zu genießen, steige ich auf die Hauptkathedrale. Wer seine Schuhe auszieht und im Treppenaufgang stehen lässt, darf über die weißen Steine des Dachs spazieren. Sogar San Cristobal, den höchsten Vulkan Nicaraguas kann man von hier aus erkennen!

Ausgerechnet an diesem Wochenende veranstalten die Einwohner ein Festival zu Ehren des populären Dichters und Schriftstellers Rubén Darío. Abends bummele ich mit Leuten aus meinem Hostel über den Platz es gibt Livemusik, eine Lichtershow und jede Menge Buden mit köstlichem Essen. Mein Favorit: Pupusa, eine Maistortilla mit Bohnenmusfüllung.

Ein Ausflugs-Highlight ist das Volcano Boarding. Dabei saust man auf einem Holzbrett den Vulkan Cerro Negro herunter, der eine halbe Stunde nordöstlich von León liegt.

Gesagt, getan: Wir klettern mit den Boards auf dem Rücken den Vulkan hoch, von wo aus wir eine wunderschöne Aussicht auf die Landschaft mit den rauchenden Nachbarvulkanen Telica und San Cristóbal haben.

Dann geht’s auf die Piste: Mit Schutzanzug, Plastikbrille und Handschuhen ausgerüstet, rasen wir einer nach dem anderen den Vulkanschotter hinunter.

Für meinen Geschmack ist die Abfahrt zu schnell („Was zur Hölle mache ich hier eigentlich?!“, schießt es mir durch den Kopf, als sich das doofe Brett einfach nicht bremsen lässt); für Action- und Adrenalinjunkies mag es der perfekte Ausflug sein. Für mich hat sich das Volcano Boarding durch die Wanderung und Aussicht von oben trotzdem gelohnt.

Tag 147: Managua

Ein neues Kapitel auf meinem Lateinamerika-Trip! Nach meinem Auslandssemester in Mexiko bin ich nun für knapp drei Monate in Nicaragua für ein Projekt an der Universidad de Managua.

Ich werde einen Workshop in Multimedia-Journalismus für insgesamt 24 Studenten anbieten und so den Blog Inside Managua weiterführen. Bevor der Kurs losgeht, habe ich eine Woche Zeit, mich vorzubereiten und meinen neuen Wohnort zu erkunden.

Managua kommt mir auf ersten Blick hektischer und schmutziger vor als in Mexiko. Transportmittel ist wahlweise ein klappriges Sammeltaxi oder einer von den ausrangierten und bunt bemalten Schulbussen aus den USA. Ich entscheide mich für letzteres und fahre ins Zentrum.

Das Zentrum das ist eigentlich kein Zentrum mehr. Managuas historischer Kern wurde in den neunziger Jahren durch ein Erdbeben zerstört und leider nie wieder aufgebaut. Und doch finde ich einige schöne Plätze: Die alte Kathedrale, den Hafen Salvador Allende und den Paseo Xolotlán entlang des Managua-Sees.

Außerdem entdecke ich meine neue Lieblingsspeise: Quesillos, eingewickelte Tortillas mit Käse und angebratenen Zwiebeln. Pappsatt und zufrieden kehre ich zu meiner Gastfamilie zurück. Ich gebe der Stadt nochmal eine Chance.