Tag 145: Cancún

Mein letzter Tag in Mexiko! Das Auslandssemester hat mir wieder einmal gezeigt, wie schnell das Leben an einem vorbeirauscht.

Anstatt zum völlig überfüllten Touri-Strand von Cancún zu gehen, nutze ich den letzten Tag, um mich vom Land zu verabschieden und lasse alle Erlebnisse noch einmal Revue passieren: der Austauschstudenten-Wahnsinn in Puebla, die Reisen nach Oaxaca, Huasteca Potosina und Veracruz mit den vielen Besuchen aus Deutschland. Die beiden letzten Wochen mit meiner Mutter in Chiapas und Yucatán.

Ich bin unglaublich dankbar für die neuen Erfahrungen und geschlossenen Freundschaften. Und zugleich aufgeregt, da jetzt ein neuer Abschnitt meines Lateinamerika-Jahrs beginnt: Ich werde in Nicaragua für drei Monate ein Projekt übernehmen.

Am Flughafen verabschiede ich mich in der Hektik schnell von meiner Mutter, die von Cancún aus nach Hause reist und steige selbst in den Flieger nach Managua.

Tag 144: Chichén Itzá

Die bekanntesten Maya-Tempel Mexikos liegen vor uns. Von Tulum aus sind wir nach Chichén Itzá gefahren und verbringen einen ganzen Tag damit, durch die Ruinen und Gebäude zu schreiten.

Besonders beeindruckend ist die Kukulcán-Pyramide: Nur eine Seite wurde erneuert, sodass wir den deutlichen Unterschied von Ruine zu Restauration erkennen können.

Es lohnt sich aber auch, den hinteren Teil von Chichén Itzá zu entdecken. Vor allem der Coracol, der „Schneckenturm“ ist sehenswert. Hinter dem Coracol gibt es noch weitere Ruinen im dichten Dschungel. Sie sind noch nicht erforscht und für Besucher unzugänglich, was den ganzen Ort noch geheimnisvoller macht.

Tag 141: Tulum

Ach, Tulum! Vergesst Cancún, Playa del Carmen und die teuren Hotel-Ressorts an der Riviera Maya. Die Cabañas direkt am Strand von Tulum sind zwar auch nicht unbedingt günstig, aber sie lohnen sich.

Es geht nichts über eine Nacht in einer der Strohhütten und einem Frühstück mit Omelette und frischen Früchten direkt am Meer. Außer Sonnenbaden gibt es in Tulum aber noch viele weitere Aktivitäten. Eine davon sind die beeindruckenden Maya-Ruinen.

Außerdem machen wir eine Tour in das Biosphärenreservat Sian Ka’an. Mit dem Motorboot düsen wir über Lagunen und Seen, bis wir zu einem ruhigen Fluss mit tausenden von Mangroven ankommen.

Jetzt beginnt der schönste Teil der Tour: Wir ziehen Bikini und Schwimmweste an, springen ins Wasser und lassen uns von der langsamen Strömung flussabwärts treiben.

Tag 139: Chiflón-Wasserfall & Seen von Montebello

Nachdem wir uns einen Tag lang in San Cristóbal ausgeruht haben, geht es auf den nächsten Ausflug: Wir fahren zum Chiflón-Wasserfall, der ähnlich wie Agua Azul von türkisblauem Wasser umgeben ist.

Ich finde diesen Wasserfall noch einmal spektakulärer, da die Wassermassen hier aus 70 Metern Höhe in die Tiefe stürzen. Das Wasser knallt so laut auf das Flussbett, dass wir schreien müssen um uns zu verständigen.

Eine Stunde und zwölf Mückenstiche später machen wir uns auf den Weg zur zweiten Attraktion der Tour: Die Seen von Montebello, die hübsch sind, uns nach dem Riesen-Wasserfall aber nicht mehr so beeindruckend erscheinen.

Einer der Seen ist so weit entfernt, dass wir ohne es zu bemerken plötzlich in Guatemala sind. Das Gewässer sieht mit seinen bunten Booten und in der Abenddämmerung besonders toll aus.

Tag 137: Agua Azul & Palenque

Unser erster Ausflug von San Cristóbal aus geht zu den Wasserfällen von Agua Azul, das übersetzt „blaues Wasser“ bedeutet. Der Name verrät bereits die Besonderheit des Ortes: Das Wasser nimmt durch einen extrem hohen Mineraliengehalt eine türkisblaue bis smaragdgrüne Farbe an.

Es ist definitiv eines der schönsten Naturschauspiele, die ich in Mexiko gesehen habe. Wir haben Glück, denn das Phänomen des blau schimmernden Wassers gibt es nur in der Trockenzeit. In der Regenzeit sind die Regenfälle braun.

Nachdem wir an den Wasserfällen entlang gewandert sind und in den Becken gebadet haben, fahren wir weiter nach Palenque. Hier befinden sich Mayaruinen mitten im Dschungel.

Die meisten von euch werden die Ruinenstätte Chichen Itza mit Mexiko und der Mayakultur verbinden. Palenque ist allerdings nicht weniger spannend und vielleicht sogar noch schöner, da die Pyramiden und Bauten mitten im Regenwald liegen.

Wir entdecken nicht nur die Gräber und Inschriften des Urvolks. Riesige Leguane sonnen sich auf den Steinen und winzige Eidechsen huschen über den Boden.

Tag 135: San Cristóbal de las Casas

Wir sind im Backpacker-Paradies! San Cristóbal ist ein Treffpunkt für Rucksackreisende, die die naheliegenden Wasserfälle und Ruinen besuchen oder weiter in den Süden nach Guatemala oder Belize fahren.

Die Stadt ist im Kolonialstil erbaut: Kunterbunte Häuser mit Cafés und Restaurants reihen sich in der Fußgängerzone aneinander. Es gibt drei große Kathedralen, einen traditionellen Süßigkeitenmarkt und überall bunte Papierfähnchen.

Nur rund 10 Kilometer südöstlich von San Cristóbal befindet sich der Erlebnispark Rancho Nuevo, zu dem wir mit dem Colectivo fahren. Die Natur ist beeindruckend: Es gibt meterhohe Bäume und grüne Wiesen.

Viele Familien haben hier ihre Picknickdecke ausgebreitet und genießen den Sonntag. Meine Mutter und ich erkunden die Gegend auf dem Pferderücken, bis wir eine Höhle entdecken. Wir gehen ins eiskalte Dunkel und sehen Stalagmiten und Stalagiten, die von Boden und Decke schießen.

Tag 134: Cañon del Sumidero

Mit einer einer seltsamen Mischung aus Trauigkeit vom Abschied und Vorfreude auf die nächsten Reiseziele fahre ich nach Chiapas, ein Bundesstaat im Südosten Mexikos. Und ich bin nicht allein: Meine Mutter ist für insgesamt drei Wochen zu Besuch!

Als wir in der Hauptstadt Tuxtla ankommen, steigt uns zuerst die Hitze ins Gesicht. In Puebla, das auf einer Hochebene von über 2.000 Metern liegt, ist das Klima immer sehr angenehm. Jetzt sind wir plötzlich nur noch auf 400 Metern Höhe. Die Klimaanlage in unserem Hotel rattert so laut wie ein Trecker und wir schwitzen trotzdem aus allen Poren.

Am nächsten Morgen fahren wir direkt los zum Sumidero-Canyon. Hier hat sich der Fluss Grijalva über tausende Jahre eine Schlucht gegraben. Die Wände ragen fast senkrecht in den Himmel und erreichen an der höchsten Stelle rund tausend Meter. Mit einem kleinen Motorboot fahren wir durch den Canyon und sehen nicht nur die beeindruckenden Felswände, sondern entdecken auch jede Menge Tiere: Äffchen turnen in den Bäumen herum, Krokodile dösen am Ufer und Komorane fliegen in Scharen an uns vorbei.

Es lohnt sich, neben dem Bootstrip auch noch einmal oben am Canyon entlang zu fahren: Hier gibt es eine Route mit verschiedenen Aussichtspunkten, von denen man meterweit in die Tiefe schaut und die Motorboote auf dem Fluss nur erahnen kann.

Auf dem Rückweg machen wir in dem Dorf Chiapa de Corzo Halt, in dem eine hübsche weiße Kirche mit roten Dächern steht. Wir spazieren über den Marktplatz mit Souvenir- und Essensständen und probieren die Spezialitäten des Dorfs: Gebäck mit Marmeladenfüllung und Pozol, ein Getränk aus Kakao und Mais, das die Verkäuferinnen aus einem riesigen Bottich kalt servieren.

Tag 133: Adiós, Puebla

Niemals hätte ich gedacht, dass dieser Abschied so schwer wird. Ich habe diese Situation schon so oft erlebt: Nach zwei Monaten in einer wunderbaren WG in Chile, nach einem Jahr in München im Studentenwohnheim, nach einem halben Jahr in Dortmund mit der Erasmus-Meute. Doch der Abschied von meinen Leuten in Puebla trifft mich härter.

Es ist wahrscheinlich das letzte Mal gewesen, dass ich mit so vielen Studenten auf einem Haufen zusammengewohnt habe. Das Auslandssemester in Mexiko war für mich das letzte richtige Semester – wenn ich wieder in Deutschland bin, werde ich meine Masterarbeit schreiben und die Studienzeit ist vorbei.

Gerade die letzte Zeit in Puebla war noch einmal richtig erlebnisreich: Wir sind fast jeden Abend feiern gegangen, hatten unseren Abschlussball, haben uns alle im Studio unseres Hauses tättowieren lassen (ich habe mich für einen Kolibri am Fuß entschieden, da ich auf der Dachterasse unseres Hauses zum ersten Mal in meinem Leben dieses faszinierende Tier gesehen habe).

Gleichzeitig haben wir Pläne gemacht, wann wir uns wiedersehen. Die Spanier haben zu der Feria in Sevilla nächstes Jahr eingeladen, die Franzosen nach Lyon. Die Peruanerin sehe ich vielleicht in Nicaragua wieder – mein nächstes Ziel. Dennoch schmerzt der Abschied sehr. Ein letztes Mal gehen wir durch das Künsterviertel, auf den Makt, nach Cholula. Ich bin noch nicht bereit.